Paar sitzt mit Notar am Tisch
© iStock/getty images/fizkes

Kaufen | Ratgeber

Grundschuld löschen: Reicht auch eine Löschungsbewilligung?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Endlich schuldenfrei! Ihr habt euer Darlehen für den Kauf oder Bau einer Immobilie vollständig zurückgezahlt? Dann kann es unter Umständen sinnvoll sein, die Grundschuld löschen zu lassen. Lest hier alles, was ihr zum Thema Grundschuld und Löschungsbewilligung wissen müsst.

Um den Traum vom Eigenheim realisieren zu können, nehmen die meisten Käufer oder Bauherren ein Darlehen bei der Bank auf. Als Absicherung greifen die Kreditinstitute anstelle einer Hypothek meist auf den Eintrag einer Grundschuld im Grundbuch zurück. Was genau das bedeutet und wie man nach vollständiger Tilgung der Darlehenssumme die Grundschuld löschen kann, erfahrt ihr hier.

Was ist eine Grundschuld?

Kreditgeber lassen sich im Rahmen einer Baufinanzierung eine Grundschuld im Grundbuch als Absicherung eintragen. Die Höhe entspricht in der Regel der vereinbarten Darlehenssumme. Damit erhält das Kreditinstitut Grundpfandrechte an der Immobilie. Das heißt, ihr könnt das Grundstück, die Wohnung oder das Haus nicht ohne die Zustimmung der Bank verkaufen. Beziehungsweise bei Zahlungsunfähigkeit hat der Kreditgeber das Recht, Haus oder Grund durch Zwangsversteigerung oder Zwangsverwaltung zu verwerten.

Warum sollte ich eine Grundschuld löschen lassen?

Ist ein Kredit vollständig abbezahlt, gibt es keinen Grund mehr für die Bank, sich abzusichern. In diesem Fall könnt ihr die Grundschuld löschen lassen. Das ist immer dann sinnvoll, wenn ihr anstrebt, eure Immobilie wieder zu verkaufen. Der einfache Grund: Für unbelastete Grundstücke ist die Nachfrage deutlich höher und ihr könnt in der Regel einen höheren Preis erzielen.

Lest hier mehr zum Thema: "Haus verkaufen: So holt ihr am meisten raus"

Grundschuld löschen, ist das sinnvoll?

Wenn ihr nicht vorhabt, eure Immobilie zu verkaufen oder abzutreten, lohnt es sich, die Grundschuld im Grundbuch stehen zu lassen. Sie kann als Sicherheit wiederbelebt werden. Zum Beispiel, wenn ihr zu einem späteren Zeitpunkt ein Modernisierungsdarlehen oder einen Kredit für die Finanzierung einer weiteren Immobilie benötigt. Außerdem spart ihr damit jede Menge Kosten, die sowohl bei der Löschung als auch bei der erneuten Bestellung einer Grundschuld anfallen.

Tipp: Auch wenn ihr euch dagegen entscheidet, die Grundschuld löschen zu lassen, lasst euch vom Kreditgeber eine Löschungsbewilligung ausstellen. Das Dokument belegt, dass ihr das Darlehen vollständig getilgt habt.

Welches Darlehen passt zu euch? Lest hier mehr zum Annuitätendarlehen, Volltilgerdarlehen und endfälligen Darlehen.

Wann kann ich eine Grundschuld löschen lassen?

Eine Grundschuld kann man löschen lassen, sobald die letzte Kreditrate zurückgezahlt ist oder nach einer Umschuldung des Darlehens. Voraussetzung ist in beiden Fällen eine Löschungsbewilligung. Diese steht euch per Gesetz zu (§ 875 BGB) und kann beim Kreditgeber unter den genannten Voraussetzungen beantragt werden.

Wer kann die Grundschuld löschen?

Die Löschung der im Grundbuch eingetragenen Grundschuld übernehmen ein Notar und das Grundbuchamt. Sie müssen von euch beauftragt und bezahlt werden, wenn ihr eure Grundschuld löschen wollt.

Was ist eine Löschungsbewilligung?

Die sogenannte Löschungsbewilligung ist die Voraussetzung dafür, dass ihr eure Grundschuld aus dem Grundbuch austragen lassen könnt. Dabei handelt es sich um ein Dokument, welches euer Kreditgeber ausstellt, sobald ihr das Darlehen vollständig zurückgezahlt habt oder der Kredit umgeschuldet wurde. Mit der Löschungsbewilligung stimmt der Gläubiger zu, dass sein Sicherungsrecht in Form der Grundschuld erlischt.

Wichtig: Für die Grundschuldlöschung muss die Bewilligung notariell beglaubigt sein. Auch wenn ihr euch von einer Privatperson Kapital geliehen habt, muss die Löschungsbewilligung durch die Hände eines Notars gehen.

Was steht in einer Löschungsbewilligung?

Eine Löschungsbewilligung ist immer gleich aufgebaut. Sie enthält neben der Information, um welche Art Grundsicherungsrecht es sich handelt, folgende Angaben:

  • Grundbuchblatt
  • Flurstück
  • Nummer des Grundbucheintrags
  • Hohe der Grundschuld
  • Gläubiger
  • Stadt des kreditgebenden Instituts
  • Ort, Datum und Unterschrift des Kreditgebers
  • Zustimmung zur Löschung durch den Eigentümer
  • Ort, Datum und Unterschrift des Eigentümers

Das Dokument muss zudem notariell beglaubigt werden.

Grundschuld löschen – wie geht das?

Um die Belastung eines Grundstücks aus dem Grundbuch zu streichen, müsst ihr zunächst eine Löschungsbewilligung beantragen. Diese stellt euch der Gläubiger aus, in den meisten Fällen also die kreditgebende Bank. Ist das Darlehen vollständig getilgt oder umgeschuldet, wird die Bewilligung meist automatisch vom Kreditgeber ausgestellt. Andernfalls könnt ihr sie aktiv einfordern. Beachtet: Dieser Vorgang kann einige Wochen dauern.

Im nächsten Schritt müsst ihr einen schriftlichen Antrag auf Löschung der Grundschuld stellen. Dabei handelt es sich um nichts anders als die Löschungszustimmung von euch als Eigentümer. Diesen Antrag übermittelt der beauftragte Notar zusammen mit der Löschungsbewilligung ans Grundbuchamt. Die notarielle Beglaubigung beider Dokumente ist zwingend notwendig. Die Beamten im Grundbuchamt prüfen die Angaben und tragen im Fall eines positiven Beschlusses einen Löschungsvermerk im Grundbuch ein.

Lest auch: "Checkliste Hauskauf: Was ihr prüfen müsst, bevor ihr eine Immobilie kauft"

Welche Unterlagen brauche ich, um die Grundschuld löschen zu lassen?

Für die Löschung der Grundschuld braucht ihr folgende Dokumente:

  1. Löschungsbewilligung des Gläubigers
  2. Löschungszustimmung des Eigentümers

Diese Unterlagen sind nur dann gültig, wenn sie vom Eigentümer unterschrieben und von einem Notar beglaubigt sind.

Wollt ihr eine Briefgrundschuld löschen lassen, braucht ihr zusätzlich den Grundschuldbrief. Diesen leitet der Notar zusammen mit den übrigen Dokumenten ans Grundbuchamt weiter.

Wer zahlt die Löschung der Grundschuld?

Die Kosten für die Löschung einer Grundschuld trägt allein der Kreditnehmer. Ihr als Eigentümer müsst sowohl die Notarkosten als auch die Gebühren für das Grundbuchamt zahlen. Wie hoch die Gebühren ausfallen, hängt von der eingetragenen Grundschuldsumme ab.

Was kostet es, die Grundschuld löschen zu lassen?

Eine Grundschuldlöschung ist im Vergleich zu einer Grundschuldbestellung kostengünstig. Ein paar hundert Euro müsst ihr trotzdem für die Beauftragung von Notar und Grundbuchamt einplanen. Die Kosten belaufen sich auf circa 0,2 Prozent der Grundschuldsumme. Die Löschungsbewilligung, welche vor dem Antrag auf Löschung der Grundschuld vorliegen muss, ist kostenlos.

Folgende Tabelle schlüsselt die einzelnen Posten einmal beispielhaft auf:

  • Höhe der Grundschuld
  • 180.000 Euro
  • Notargebühren
  • 261,12 Euro
  • Grundbuchgebühren
  • 204 Euro
  • Gesamtkosten Grundschuldlöschung
  • 465,12 Euro

Wie lange dauert es, eine Grundschuld zu löschen?

Der gesamte Prozess der Grundbuchlöschung kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Zunächst muss der Gläubiger die Löschungsbewilligung ausstellen. Erst im Anschluss kann der Eigentümer den Antrag über einen Notar ans Grundbuchamt weiterleiten.

Das wird dich auch interessieren