Mann am Schreibtisch zeigt auf ein Chart.
© Getty Images/iStockphoto/Ridofranz

Kaufen | Statement

Zinsbindung: 10 Jahre, 15 Jahre oder länger? Das sagt der Experte

Redaktion

Redaktion

Wer eine Baufinanzierung abschließt, der wählt auch eine Sollzinsbindung. Aber welche Laufzeit ist für den festgeschriebenen Zinssatz ideal? Was beinflusst die Entscheidung für eine kürzere oder längere Zinsbindung? Wir haben dazu einen Experten befragt.

Wer eine Baufinanzierung abschließt, zahlt in der Regel über viele Jahre hinweg Zinsen und Tilgung. Der Zinssatz ist dabei für einen bestimmten Zeitraum festgelegt. Diese Zinsbindung lässt sich für zehn, 15 oder sogar noch mehr Jahre vereinbaren. Doch welche Zeitspanne ist ideal für die Zinsbindung? Um diese Frage zu beantworten, haben wir einen Experten befragt.

Zur Person: Kai-Uwe Kochalski ist Prokurist und Geschäftsbereichsleiter Vertrieb Kredite bei der PSD Bank Rhein-Ruhr eG. Kochalski war auch viele Jahre als Dozent und Trainer für Baufinanzierungen, Kredite, Verkauf und Vertrieb an der Akademie Rheinischer Genossenschaften tätig. Foto: privat

Kai-Uwe Kochalski, Prokurist und Geschäftsbereichsleiter Vertrieb Kredite bei der PSD Bank Rhein-Ruhr

Wie lange läuft die ideale Sollzinsbindung?

Wohnglück: Herr Kochalski, welche Zinsbindung ist denn ideal – 10 Jahre, 15 Jahre oder länger?

Kai-Uwe Kochalski: Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Der ideale Zeitraum für die Sollzinsbindung hängt – ähnlich wie andere Fragen bei der Baufinanzierung auch – von vielen individuellen Faktoren ab. Das ist immer eine Einzelfallprüfung.

Wohnglück: Welche Faktoren wären das zum Beispiel?

Kai-Uwe Kochalski: Da wäre zuerst das Sicherheitsbedürfnis des Kunden. Und natürlich die Frage, wie hoch der Haushaltsüberschuss ist, also wie gut Zins und Tilgung bedient werden können. Wie sieht die Zukunftsplanung aus? Sind eventuell Gelder aus einer Lebensversicherung oder einem Erbe zu erwarten? Das alles und noch mehr fließt in die Baufinanzierungsplanung mit ein – und damit auch in die Frage nach der idealen Sollzinsbindung.

Wohnglück: Aber in der derzeitigen Niedrigzinsphase würden Sie doch möglichst lange Laufzeiten empfehlen, oder?

Kai-Uwe Kochalski: Da macht man grundsätzlich nichts falsch. Wenn zukünftig keine größeren Geldsummen zu erwarten sind, die sich in die Finanzierung mit einbringen lassen, dann ist eine lange Sollzinsbindung vernünftig. Zumal der Kunde ja nach zehn Jahren die Möglichkeit hat, mit einer Frist von sechs Monaten zu kündigen, um das Darlehen ganz oder teilweise abzulösen oder bedarfsgerecht neu zu gestalten. Allerdings macht eine lange Zinsbindung das Baudarlehen auch ein wenig teurer.

Wohnglück: Inwiefern? Wie viel teurer wird es denn bei einer längeren Zinsbindung?

Kai-Uwe Kochalski: Nun, die lange Laufzeit lässt sich die Bank durch einen kleinen Zinsaufschlag bezahlen. Das kann man als eine Art Versicherungsprämie verstehen. Im Durchschnitt ist aktuell der Sollzins einer 20-jährigen Sollzinsbindung gegenüber einer 10-jährigen um circa 0,4 bis 0,5 Prozent höher. Aber nochmal: Man darf die Sollzinsbindung bei einer Baufinanzierung nicht isoliert betrachten. Bei anderen Finanzierungsmodellen ergeben sich vielleicht ganz andere Laufzeiten.

Wohnglück: Können Sie da ein Beispiel nennen?

Kai-Uwe Kochalski: Denkbar wäre zum Beispiel die Aufteilung der Kreditsumme in zwei Finanzierungsbausteine mit unterschiedlichen Laufzeiten und Summen. Sagen wir mal, jemand muss 350.000 Euro aufnehmen. 320.000 Euro zahlt er mit einer 20-jährigen Sollzinsbindung und zwei Prozent Tilgung, die restlichen 30.000 Euro zinsgünstig mit einem 10-jährigen Volltilgerdarlehen.

Das Volltilgerdarlehen ist nach zehn Jahren komplett abgezahlt. Die frei gewordene Rate wird dann als Sondertilgung oder Ratenerhöhung auf das Darlehen mit der 20-jährigen Sollzinsbindung eingezahlt. Im Idealfall ist so nach 20 Jahre die Restschuld um einige tausend Euro geringer als bei einem 20-jährigen Darlehen mit nur einem Baustein.

Wohnglück: Das klingt erst einmal nach viel Rechnerei.

Kai-Uwe Kochalski: Genau darum geht es. Wichtig ist, alle relevanten Faktoren in die Baufinanzierung mit einzubeziehen. Ob Bausparvertrag, staatliche Fördermittel oder auch Möglichkeiten der Sondertilgung, es gibt diverse Finanzierungsinstrumente, die – richtig eingesetzt – die Sollzinsbindung positiv beeinflussen. Am Ende ist aber am wichtigsten, dass sich der Kunde damit wohlfühlt.

Jeder Kunde muss sich mit seiner eigenen Sollzinsbindung wohlfühlen.

Kai-Uwe Kochalski, Geschäftsbereichsleiter Vertrieb Kredite bei der PSD Bank Rhein-Ruhr

Wie passt die Kalkulationssicherheit zur Lebensplanung?

Wohnglück: Eine lange Sollzinsbindung ist ja auch eine Wette auf die Zukunft.

Kai-Uwe Kochalski: Und das in doppeltem Sinne. Zum einen geht es um den Zinssatz selbst, der mittel- und langfristig wahrscheinlich eher steigen wird anstatt weiter auf dem derzeitigen Niveau zu verbleiben oder gar noch tiefer zu fallen. Aber genau weiß das keiner. Zum anderen geht es auch um die Zukunft des Kreditnehmers. Je länger die Zinsbindung, desto sicherer, das ist schon richtig. Aber als guter Berater oder gute Beraterin muss ich auch die Lebenssituation und Lebensplanung des Kreditnehmers berücksichtigen. Und das kann dann unter Umständen dazu führen, dass eine kürzere Zinsbindung oder die Aufteilung auf unterschiedlich lange Zinsbindungen doch sinnvoller ist.

Wohnglück: Aber die Kalkulationssicherheit bei einer langen Sollzinsbindung ist ein gewichtiges Argument.

Kai-Uwe Kochalski: Auf jeden Fall. Erst recht dann, wenn ich mit wenig Eigenkapital finanziere und noch die Nebenkosten mit in die Finanzierung nehme. Betrachten, abwägen und durchrechnen ist die Devise – um dann gemeinsam den besten Finanzierungsweg und damit auch die beste Zinsbindung zu finden.

Das wird dich auch interessieren