Frau zieht ein Bündel von Geldscheinen aus ihrer Brieftasche.
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Bonitätsprüfung: Wie Banken vor der Baufinanzierung eure Bonität prüfen

Redaktion

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Bei einer Bonitätsprüfung will die Bank, die euch Geld leiht, vor allem eines wissen: Seid ihr in der Lage, das Darlehen auch zurückzuzahlen? Welche Kriterien die Bank dabei in der Regel zugrunde legt, das haben wir einen Experten gefragt.

Wer für seine Baufinanzierung Geld von der Bank haben will, muss sich einer Bonitätsprüfung unterziehen. Die geldgebende Bank checkt dabei, ob ihr als Kreditnehmer voraussichtlich auch in der Lage seid, euren Zahlungsverpflichtungen vollständig und fristgerecht nachzukommen. Was bei einer Bonitätsprüfung abgefragt wird und wie die Bank eure Bonität vor der Baufinanzierung prüft, dazu haben wir einen Experten befragt.

Zur Person: Sebastian Kuck hat Bankwesen und Finanzwirtschaft studiert. Seit Juli 2017 ist er Teamleiter Finanzierungsberatung bei der PSD Bank Rhein-Ruhr eG. Foto: privat

Sebastian Kruck, Teamleiter Finanzierungsberatung bei der PSD Bank Rhein-Ruhr eG

Grundlage der Bonitätsprüfung: die Haushaltsrechung

Wohnglück: Herr Kuck, wenn ich bei Ihnen eine Baufinanzierung abschließen möchte – wie prüfen Sie, ob ich dazu finanziell überhaupt in der Lage bin?

Sebastian Kuck: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein ganz zentraler Punkt ist natürlich die Haushaltsrechnung. Dabei stellen wir die Einnahmen den Ausgaben gegenüber, wobei wir bei den Ausgaben mit einer Pauschale rechnen. Aber es gibt auch eher technische Aspekte wie die Abfrage über die Schufa oder ein internes Bankenrating.

Wohnglück: Pauschale? Sie wollen also gar nicht jeden einzelnen Ausgabeposten aufgelistet haben?

Sebastian Kuck: Nein, das ist nicht nötig. Sie müssen zum Beispiel nicht jede Versicherung aufführen, die abgeschlossen wurde. Aus statistischen Erhebungen wissen wir, bei welchem Einkommen wir welche allgemeinen Ausgaben gegenüberstellen müssen. Der Kunde muss dann nicht so viel Papierkram ausfüllen, wir müssen nicht so viel prüfen – und in der Praxis funktioniert das. Andere Banken handhaben das aber teilweise auch anders.

Wohnglück: Aber die Pauschale berücksichtigt nicht alle Möglichkeiten, Geld auszugeben, oder?

Sebastian Kuck: Nein, das nicht. Ein private Krankenvollversicherung, Privatkredite, Unterhaltsverpflichtungen oder Leasingraten zum Beispiel, das muss natürlich einzeln aufgeführt werden. Sofern unsere Kunden höhere Lebenshaltungskosten angeben, als von uns ermittelt, berücksichtigen wir auch dies. Am Ende stellen wir die Einnahmen den Ausgaben gegenüber und schauen, ob das passt. Das ist jedes Mal trotz der Pauschalen auch immer eine Einzelfallprüfung.

Zukünftige Lebensplanung ist für die Bonitätsprüfung relevant

Wohnglück: Und wann passt es? Haben Sie da eine Zahl, an der man sich orientieren kann?

Sebastian Kuck: Das lässt sich so einfach nicht beziffern. Seit 2016 gibt es ja die Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie. Und die schreibt unter anderem vor zu prüfen, dass der Kreditnehmer das Darlehen auch unter geänderten Lebensumständen zurückzahlen kann. Bei der Bonitätsprüfung ist neben dem aktuellen Einkommen und den Ausgaben auch die zukünftige Lebenssituation und damit die langfristige Lebensplanung des Kreditnehmers relevant.

Wohnglück: Dann schützt die Bonitätsprüfung also auch den Darlehensnehmer?

Sebastian Kuck: Genau. Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass der Kunde sein Darlehen vollständig zurückzahlen kann. Wir müssen und wollen aber auch sicherstellen, dass der Kunde sich nicht übernimmt. Daher sehen wir die Bonitätsprüfung auch als eine Art Verbraucherschutz.

Wohnglück: Sie sprachen von internen Bewertungskriterien der Bank. Welche wären das?

Sebastian Kuck: Bei Bestandskunden können wir diverse Parameter wie zum Beispiel die Dauer der Geschäftsbeziehung abfragen. Weitere Faktoren sind Antworten auf die Fragen, ob die Kontoführung vereinbarungsgemäß verlief und ob Darlehensraten bisher stets erbracht wurden. Dazu kommt dann unter anderem auch der Schufa-Score. Das und noch viel mehr ergibt dann ein Rating. Das unterstützt uns bei der Entscheidungsfindung. Das kritisieren manche als Black Box, aber wir müssen als Bank ja eine Risikobewertung durchführen. Aber dieses Rating ist nur eine Ergänzung. Ohne eine positive Haushaltsberechnung nützt ihnen auch das beste Rating nichts.

Aus viele einzelnen Faktoren ergibt sich ein Gesamtbild bei der Bonitätsprüfung.

Sebastian Kuck, PSD Bank Rhein-Ruhr eG

Wichtig bei der Bonitätsprüfung: der Faktor Mensch

Wohnglück: Was passiert denn, wenn ich einen positiven Haushaltsüberschuss habe, aber ein ganz schlechtes Rating? Würden Sie in diesem Fall die Vergabe des Darlehens ablehnen?

Sebastian Kuck: Das kann passieren. Es gibt durchaus Menschen, die ganz hervorragend verdienen, mit ihrem Geld aber trotzdem nicht hinkommen. Dann kommt es häufiger zu Rücklastschriften oder längerfristigen Überziehungen. Aber nochmal: Das Rating ist nur ein Aspekt bei der Kreditvergabe. Wir schauen uns diese eher technischen Aspekte natürlich genau an. Aber vor allem sprechen wir mit unseren Kunden. Da ergibt sich manchmal ein ganz anderes Bild.

Wohnglück: Haben Sie da ein Beispiel?

Sebastian Kuck: Mitunter kommt es bei einem Kontowechsel zu Problemen. In der Folge bleiben zum Beispiel Zahlungen aus, im schlimmsten Fall kommt es dadurch zu einem negativen Schufa-Eintrag, obwohl wir es nicht unbedingt mit einem Kunden schlechter Bonität zu tun haben. Technisch gesehen wirkt sich das aber negativ aus. So etwas klären und bewerten wir immer mit Fingerspitzengefühl – und dem gesunden Menschenverstand.

Wohnglück: Aber es gibt schon Kriterien, bei denen Sie den Kredit ablehnen müssen.

Sebastian Kuck: Natürlich. Wenn die Kreditzahlungen den Kunden in die roten Zahlen bringen, er also nach Abzug seiner Kosten mit dem Kredit in die Miesen rutscht, kann das nicht funktionieren. Umgekehrt sagen wir aber auch nicht, dass der Kunde eine Summe X pro Monat unbedingt übrig haben muss. Wie gesagt: Viele einzelne Faktoren ergeben ein Gesamtbild bei der Bonitätsprüfung.

Wie viel Kredit kann ich mir leisten?

Wohnglück: Wie erleben Sie denn die meisten Antragsteller – ist deren Einschätzung, was sie sich an Kredit leisten können, realistisch?

Sebastian Kuck: Durchaus. In den allermeisten Fällen sind die Kunden gut informiert beziehungsweise haben sich schon intensiv mit der Frage nach der persönlichen Bonität beschäftigt. Es gibt aber auch eine Gruppe von Kunden, die uns ganz konkret fragen: Was kann ich mir eigentlich leisten?

Wohnglück: Also der eher umgekehrte Weg – erst die Finanzierung sichern, dann das passende Objekt suchen.

Sebastian Kuck: So ungefähr. Das gibt ihnen bei der Immobiliensuche jedenfalls einen realistischen Rahmen, in welchem Preisbereich sie suchen können.

Wohnglück: Wie lange dauert eigentlich eine Bonitätsprüfung?

Sebastian Kuck: Heutzutage können Kunden glücklicherweise einen Großteil der benötigten Unterlagen digital einreichen. Das beschleunigt den Prüfungsprozess sehr. Bei uns können sie den kompletten Vorgang sogar über eine App abbilden und nachverfolgen. Wenn uns alle relevanten Informationen vorliegen, kann die Bonitätsprüfung quasi "just in time" erfolgen.

Überraschungen bei der Bonitätsprüfung

Wohnglück: Und kann oder sollte ich mich auf eine Bonitätsprüfung vorbereiten?

Sebastian Kuck: Nein, nicht zwangsläufig. Ein Überblick über die persönliche Vermögenssituation und die regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben schadet aber nicht. Sie können auch komplett unvorbereitet in so ein Gespräch gehen. Aber natürlich beschleunigt es den Vorgang, wenn bereits Unterlagen zum Einkommen und eventuell das Formular zur Selbstauskunft vorliegen. Aber notwendig ist das nicht.

Wohnglück: Aber so ganz ohne Vorbereitung kann es auch zu Überraschungen kommen.

Sebastian Kuck: Ja. Der Klassiker ist ein negativer Schufa-Score. Viele Menschen wissen nicht, welche Angaben die Schufa über sie speichert. Daher ist es ratsam, wenn man sich vorher eine kostenlose Schufa-Auskunft besorgt.

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