Einfamilienhaus im Rohbau, Dachstuhl noch nicht gedeckt.
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Bauen | Expertentipp

Stimmt es, dass die Bauzinsen jetzt wieder steigen?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Kreditnehmer haben jahrelang von Bauzinsen fast zum Nulltarif profitiert. Jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab: Wer eine Immobilie finanzieren will, muss tiefer in die Tasche greifen. Ob die Bauzinsen künftig weiter steigen, lest ihr hier.

Immobilienkäufer und Bauherren bekommen es aktuell von allen Seiten ab: Eigentum wird immer teurer, die Preise für Baustoffe steigen massiv und nun steigen auch noch die Bauzinsen. Jahrelang waren Immobilienkredite vergleichsweise günstig. Wie geht es in den kommenden Monaten weiter? Bleibt es beim Anstieg der Bauzinsen?

Bauzinsen könnten sich bis Jahresende verdoppeln

Die Bauzinsen für eine Standardfinanzierung (Kreditsumme über 80 Prozent des Immobilienwerts, Zinsbindung zehn Jahre) lagen Ende Januar 2022 bei etwa 1,0 bis 1,3 Prozent effektiv. Das waren rund 0,6 Prozentpunkte mehr als zu Beginn des Jahres 2021.

2022, da sind sich alle Experten einig, werden die Bauzinsen auch weiterhin steigen. Bauzinsen von 4 Prozent wie zuletzt in 2011 scheinen zwar in weiter Ferne zu liegen. Aber auch deutlich kleinere Zinssprünge können, ausgehend vom aktuellen Niveau, schon relativ deutliche finanzielle Effekte haben.

Tipp: Die Zinsen könnt ihr nicht beeinflussen, die Baukosten schon: Sparen beim Hausbau? So haltet ihr die Kosten in Grenzen.

Warum steigen die Zinsen für Immobilienkredite?

Ein Grund für die aktuelle Trendwende bei den Bauzinsen ist die steigende Inflation. In Deutschland lag sie 2021 um 3,1 Prozent höher als im Vorjahr. Wenn die Inflationsrate über einen längeren Zeitraum deutlich steigt, antizipieren die Kapitalmärkte mit der Zeit eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken. Das führt zu steigenden Zinsen am Kapitalmarkt. Und die gestiegenen Kapitalmarktzinsen sorgen dann wiederum für höhere Zinsen bei Immobilienkrediten

"Wir spüren es alle tagtäglich. Im Supermarkt, an der Zapfsäule und eventuell auch schon im Briefkasten mit Post von unserem Strom- oder Energieversorger: Die Verbraucherpreise steigen", konstatiert Oliver Adler. Er ist Abteilungsleiter Produktmanagement bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall und hat die Zinsentwicklung genau im Blick.

"Somit ist eine wichtige Einflussgröße für steigende Zinsen zurückgekehrt: die Inflation. Der wesentliche Faktor für die Kreditzinsen sind aber die Kapitalmarktzinsen." Zinsen von Staatsanleihen und Pfandbriefen steigen, mit denen Banken Immobilienkredite refinanzieren. Ihre Mehrkosten geben die Banken durch höhere Bauzinsen an die Verbraucher weiter.

Infografik zu Effektivzinssätze für Wohnungsbaukredite an private Haushalte
Die Zinsen für Wohnungsbaukredite sind heute fast 70 Prozent günstiger als noch vor 10 Jahren. (Quelle: Bausparkasse Schwäbisch Hall). © Antonia Eigel/wohnglueck.de

Was bedeuten steigende Bauzinsen für Immobilienkäufer?

Steigende Bauzinsen sind immer eine zusätzliche Belastung für Kreditnehmer. Auch wenn die Differenz zwischen 0,7 und 1,0 oder möglichen 1,4 Prozent zunächst gering erscheint, zeigt ein Beispiel, wie sich die monatliche Belastung dadurch verändert:

Ein Paar hat eine Kreditsumme von 300.000 Euro mit zehn Jahren Zinsbindung und drei Prozent Tilgungsrate. Bei einem Zinssatz von 0,7 Prozent beläuft sich die monatliche Rate auf 925 Euro. Klettert der Zins auf 1 Prozent, sind es bereits monatliche 1.000 Euro. Steigt der Zinssatz auf 1,4 Prozent, beliefe sich die monatliche Belastung auf 1.100 Euro.

Bei steigenden Zinsen bleibt bei gleichbleibender Liquiditätsbelastung weniger zum Tilgen übrig, die Abtragung der Schulden dauert also länger.

Oliver Adler stellt dazu fest: "Unmittelbar betrifft die Zinssteigerung all diejenigen Kunden, die jetzt bauen, kaufen oder modernisieren möchten und hierfür nicht genügend Eigenkapital aufbringen können. Also alle, die eine Finanzierung benötigen, da hier aktuell die Konditionen steigen."

Experte in Sachen Zinsentwicklung: Oliver Adler, Abteilungsleiter Produktmanagement bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall

Bauzinsen steigen: Das können Kreditnehmer tun

Bewahrheitet sich die aktuelle Prognose und steigen die Bauzinsen weiter, müssen zukünftige Kreditnehmer und alle, deren Zinsbindung demnächst ausläuft, tiefer in die Tasche greifen. Oliver Adler rät deshalb, sich bei der Finanzierung Konditionen mit langen Laufzeiten zu sichern.

"Diejenigen, die aktuell noch keine konkrete Wohneigentumsabsicht haben, aber den Wunsch nach Wohneigentum verspüren, sollten sich mit einem Bausparvertrag die aktuell noch niedrigen Zinsen sichern", empfiehlt er. Dass sich Bausparen auch in der (Noch-)Niedrigzinsphase durchaus lohnen kann, das ist das Fazit einer Untersuchung der Stiftung Warentest.

Eine weitere Möglichkeit: Das Darlehen mit einem aktuell noch niedrigen Zinssatz schneller abzahlen, damit der Restkredit zu einem dann schlechteren Zins schrumpft. Dafür bieten sich höhere Tilgungsraten von zwei bis fünf Prozent pro Jahr oder Sondertilgungen an. Was ihr sonst noch tun könnt, um steigende Bauzinsen abzufedern, lest ihr hier: Wie kann ich mir günstige Bauzinsen sichern?

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